Die Sonderausstellung "Grüner Klee und Dynamit

– Der Stickstoff und das Leben" erzählt die spannende

Geschichte des Stickstoffs mit vielen einzigartigen Exponaten

Besucher aller Altersgruppen erfahren auf unterhaltsame Art neben bekannten viele neue Aspekte, positive wie negative, dieses allgegenwärtigen Stoffes und werden zum Mitmachen wie zum Nachdenken angeregt. Mittelalterliche Ateliers der Alchemisten und Salpeterer werden reizvoll kontrastiert durch moderne Hochtechnologie. Viele interaktive Elemente machen diesen außergewöhnlichen Stoff und seine Geschichte begreifbar.

Während die Atmosphäre elementaren Stickstoff im Überfluss enthält, ist reaktiver Stickstoff, der Motor allen biologischen Wachstums,  in der Natur knapp.

Die Nahrungsmittelproduktion war über Jahrhunderte hinweg durch das natürliche Stickstofflimit begrenzt. Dank der Haber-Bosch-Synthese kann seit 100 Jahren Stickstoffdünger aus Luft und Erdgas hergestellt werden. Diese Erfindung wird oft und zu Recht als eine der wichtigsten des 20. Jahrhunderts bezeichnet. Warum - dies erfährt man in der Ausstellung.

Damit konnten nämlich die Ernten auf den jeweiligen Ackerflächen weltweit verdoppelt werden und zuvor nicht beackerbare Flächen ließen sich nun landwirtschaftlich nutzen. Das enorme Bevölkerungswachstum, derzeit leben 7 Milliarden Menschen auf der Erde, wäre ohne dieses Verfahren nicht möglich.

Während es jedoch früher zu wenig reaktiven Stickstoff für den Menschen und seine Nahrungsmittelproduktion gab, gibt es nun in vielen Ökosystemen zu viel davon. Der Planet Erde verträgt aber keine beliebig steigende Stickstoffmenge. Und die unbegrenzt wachsende Bevölkerung erzeugt politische und ökologische Konflikte.

Zudem lieferte das Haber-Bosch-Verfahren ganz wörtlich eine explosive Substanz: Reaktiver Stickstoff ist der Grundstoff fast aller konventioneller Sprengstoffe. So wäre der Straßen-, Eisenbahn- und Tunnelbau ohne diesen nicht so schnell voran gegangen. Die großen Kriege des 20. Jahrhunderts hätten zwar wohl auch ohne das Haber-Bosch-Verfahren stattgefunden, sie wären aber vermutlich kürzer gewesen, weil die Munition schneller ausgegangen wäre.

Die Ausstellung zeigt, dass die Geschichte des Stickstoffs immer mehr vom Menschen geprägt wird. Und auch die Zukunft wird von uns abhängen, von unserer technischen Phantasie und von unserem politischen Mut. Während es vor 100 Jahren darum ging, Grenzen zu überwinden, wird es in Zukunft auch darum gehen, dass wir uns selbst Grenzen setzen: Dort nämlich, wo die natürlichen Grenzen aufgehoben wurden.