SCHIESSPULVER

Aus Stickstoff und Wasserstoff lässt sich Ammoniak herstellen und daraus Salpetersäure, die der Ausgangstoff für viele explosive Stoffe ist. Der erste Sprengstoff und zugleich die erste Treibladung für Geschosse war das Schwarzpulver. Sein Hauptbestandteil ist Kaliumnitrat, auch Salpeter genannt. Kaliumnitrat ist ein Salz der Salpetersäure. 

Schwarzpulver entwickelt viel Rauch beim Abfeuern. Heute wird meist die nicht rauchende Nitrocellulose (Schießbaumwolle), die durch die Reaktion von gewöhnlicher Baumwolle mit Salpetersäure entsteht, als Grundsubstanz von Treib- und Sprengladungen verwendet.

DYNAMIT

Das von Alfred Nobel im Jahr 1866 erfundene „Gur-Dynamit“ war als Sprengstoff äußerst erfolgreich. Dynamit besteht aus einer natürlich vorkommenden Erde namens Kieselgur, die mit Nitroglycerin getränkt wird. Nitroglycerin enthält rund 18,5 % Stickstoff. Der ist in dem Molekül gebunden, hat aber eine starke Neigung, sich wieder in Luftstickstoff umzuwandeln. Das ist einer der Gründe, weshalb Nitroglycerin so explosiv ist. 

Gur-Dynamit, Nobels Erfindung, war besser zu handhaben als reines Nitroglycerin. Gebraucht wurde der neue Sprengstoff weltweit. Mit ihm wurden der Panamakanal, der Gotthardtunnel, die Trasse der transsibirischen Eisenbahn und viele weitere Verkehrswege freigesprengt. Dynamit brachte die Welt näher zusammen und half, Eisenerz und Kohle aus den Bergen zu sprengen. Doch auch in Kriegen kam es mit verheerender Wirkung zum Einsatz. Einen großen Teil seines enormen Vermögens stiftete Nobel per testamentarischer Verfügung der Nobel-Stiftung, die bis heute jährlich die Nobelpreise vergibt. Er wollte nicht nur als Dynamit-König in Erinnerung bleiben.

SAFETY FIRST

Manchmal dienen Sprengstoffe der Sicherheit. Airbag-Systeme enthalten Natriumazid, eine Stickstoffverbindung. Bei einem Unfall wird zunächst eine Schwarzpulverladung elektrisch gezündet. Das dadurch erhitzte Natriumazid zerfällt in die Elemente Natrium und Stickstoff. Das gebildete Stickstoffgas bläst den Airbag auf, während das Natrium durch Filtersysteme zurück gehalten wird.

SPRENGKAPSELN

Der Münchner Walter Linderer hatte schon 1951 die Idee, Autofahrer durch einen Luftsack zu schützen, der sich beim Aufprall automatisch aufbläst. Er sah eine Pressluftflasche vor, deren Ventil bei Unfällen automatisch geöffnet wurde. Heute werden Sprengkapseln verwendet, die bei schweren Stößen zünden.

BENGALISCHE FEUER UND RAKETEN

Nicht nur für Sprengstoff und Waffen, auch für Silvesterraketen und Böller braucht man Salpeter. In China, Indien und Südostasien war dieser Einsatz des Salpeters vermutlich länger bekannt als in Europa. Heute noch gibt es in Thailand Raketenwettbewerbe, wie zum Beispiel das „Bun-Bong-Fei“, ein Raketenfest, das zum Ende der Trockenzeit in thailändischen Dörfern gefeiert wird. Riesige, selbstgebaute Raketen werden dabei in den Himmel geschossen, um die Regengötter milde zu stimmen.

SPRENGEN MIT AMMONIUMNITRAT

Ammoniumnitrat ist ein wichtiger Rohstoff moderner Sprengstoffe. Wie die meisten Sprengstoffe enthält es viel Stickstoff: 35 %. Der Stoff wird deshalb in vielen Ländern auch als Düngemittel verkauft. In handelsüblichen Düngern wird das Ammoniumnitrat so präpariert, dass es nicht ohne weiteres zünden kann.